Rangliste Rollstuhleignung

Die hier aufgeführte Rangliste zur Rollstuhleignung greift Einrichtungen / Orte von Bedeutung für das Leben in der Stadt auf. Von Relevanz ist z.B. ein Museum oder ein Kino und nicht der Kiosk um die Ecke.

Die Rangliste orientiert sich an den auf dieser Seite schon eingeführten Kriterienkatalog (Hinweise). In der Positivliste können danach nur Einrichtungen / Orte aufgeführt werden, die den Kriterien zu „rollstuhlgerecht“ entsprechen. Einrichtungen / Orte auf der Negativliste sind entsprechend in der Kategorie „nicht rollstuhlgerecht“ einzuordnen.

Die hier aufgeführten Kriterien beziehen sich nur auf die rollstuhlgerechte Nutzung; dadurch wird keine Aussage zur Qualität / zum Angebot / zur Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter etc. gemacht.

Kriterien

R         Rollstuhlgerecht – Eingang stufenlos erreichbar, Besucherräume alle stufenlos erreichbar, falls Toiletten vorhanden sind, dann auch rollstuhlgerechte Toiletten.

R         Bedingt rollstuhlgerecht – Eingang maximal 1 Stufe, Eingangstufe nicht höher als 7cm, die wichtigsten Besucherräume sind stufenlos erreichbar, Toiletten ohne Bewertung.

R         Nicht rollstuhlgerecht – Stufe am Eingang höher als 7cm, die wichtigsten Besucherräume sind nicht stufenlos erreichbar.

Die eigentlich zur Beurteilung von Barrierefreiheit heranzuziehende DIN 18040 bzw. früher 18024 / 18025 und das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGG) gehen in den Anforderung viel weiter und betreffen eben nicht nur die Nutzung mit einem Rollstuhl; hier werden alle Behinderungen berücksichtigt.

Das wichtigste Kriterium zur Beurteilung der Barrierefreiheit lässt sich mit der kurzen Aussage „Alleine, selbstständig und ohne fremde Hilfe“ zusammenfassen. Hiermit ist das Betreten, die Hauptnutzung und die Nebeneinrichtungen (Serviceeinrichtungen und sanitäre Einrichtungen) erfasst.

Um in die Kategorie „R – rollstuhlgerecht“ zu kommen, wird die deutlich strengere Definition des Gesetzes zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGG) nicht angewendet. Es reichen die oben aufgeführten Kriterien.

Aus dem Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGG):

„Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.“

Link zum Gesetzestext:       https://www.gesetze-im-internet.de/bgg/

Gerne werden Vorschläge angenommen (info@rollialltag.de).

Weitere Begründungen und Erläuterungen zu den Einrichtungen finden sich unter den einzelnen Ordnungspunkten auf dieser Seite, z.B.:

Ich freue mich auf eine spannende Diskussion und viele Vorschläge.

(Februar 2017|ml)

Gedenktag

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. Dieses Lager ist zum Symbol der Verbrechen in Deutschland in der Zeit von 1933 bis 1945 und damit zum Sinnbild des Holocaust geworden. Seit 1996 ist der 27. Januar bundesweit Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

In diesem Jahr wurde bei der offizieller Gedenkfeier im Bundestag erstmals der Verfolgung, Zwangssterilisation und Tötung von Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung im Rahmen des Euthanasie-Programms gedacht.

http://www.tagesschau.de/inland/bundestag-gedenken-105.html

Aus den einleitenden Worten zur Wanderausstellung: „erfasst, verfolgt, vernichtet – Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“:

„Bis zu 400.000 Menschen wurden zwischen 1933 und 1945 zwangssterilisiert, mehr als 200.000 wurden ermordet. Bei der Selektion der Patienten wurde der vermeintliche „Wert“ des Menschen zum leitenden Gesichtspunkt. Ärzte, Pflegende und Funktionäre urteilten nach Maßgabe von „Heilbarkeit“, „Bildungsfähigkeit“ oder „Arbeitsfähigkeit“ über die ihnen Anvertrauten. Dabei fand die Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung auffälliger, störender und kranker Menschen innerhalb des damaligen Anstalts- und Krankenhauswesens statt.“.

Am 27. Januar 2014 wurde die Ausstellung im Deutschen Bundestag eröffnet, Organisation und Durchführung, Ansprechpartner DGPPN: Prof. Dr. Dr. Frank Schneider, Aachen. In der Zeit von 28.08.2015 bis 25.10.2015 wurde die Ausstellung im Centre Charlemagne, Aachen gezeigt.

http://www.dgppn.de/dgppn/geschichte/nationalsozialismus/wanderausstellung.html
http://www.dgppn.de/fileadmin/user_upload/_medien/images/Psych_im_Nat/Wanderausstellung/Broschuere_MenschenRegion_Aachen.pdf
http://www.dgppn.de/fileadmin/user_upload/_medien/images/Psych_im_Nat/Wanderausstellung/Flyer_Einladung_Eroeffnungsveranstaltung_Wanderausstellung_Aachen.pdf

Beispiele in der Ausstellung zeigen, dass es oft Kinder, Eheleute, Familienmitglieder aus der Mitte der Gesellschaft waren, die durch diese Aktion aus der Gesellschaft aussortiert und getötet wurden.

Die erschreckende Tatsache dabei ist die, dass die Täter nicht wenige waren und nicht nur Angehörige eines engen Kreises von Parteifunktionären. Nein, im Gegenteil, involviert waren Ärzte, die vielen Mitarbeiter von Kinderkliniken und Krankenhäusern, Psychiatrien, Gesundheitsämtern der Stadtverwaltungen, Juristen (in Aachen waren 60% der Juristen Mitglied der NSDAP), Busfahrer der „grauen Busse“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Denkmal_der_grauen_Busse), Mitarbeiter der zentralen Tötungsanstalten wie z.B. Hadamar und Mitarbeiter der vielen Kliniken, in denen in Eigenverantwortung die Zwangssterilisationen und Tötungen durch gezielte Mangelernährung bis zum Hungertod und durch Überdosen von Medikamenten durchgeführt wurden.

„Nach einer erhalten gebliebenen internen T4-Statistik wurden in der Tötungsanstalt Hadamar in nur acht Monaten zwischen dem 13. Januar 1941 und dem 1. September 1941 insgesamt 10.072 Menschen durch das Gas Kohlenmonoxid ermordet, in der Sprache ihrer Mörder: desinfiziert. Nach übereinstimmenden Zeugenaussagen wurde im Sommer 1941 die Verbrennung des 10.000sten Patienten gefeiert, bei der sämtliche Angestellten eine Flasche Bier erhielten. Gemäß aktualisierter Opferliste der Gedenkstätte Hadamar (Stand 2010) betrug die Opferzahl 10.122. Die Menschen wurden in einem als Duschraum getarnten Kellerraum ermordet und ihre Leichen im angrenzenden Krematorium verbrannt. Die Rauchwolken des Krematoriums und der Geruch nach verbrannten Leichen führten zusammen mit Berichten des Personals der Anstalt dazu, dass die Einwohner von Hadamar und Umgebung die systematischen Ermordungen zumindest vermuten konnten.“

https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%B6tungsanstalt_Hadamar
https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4#Hintergr.C3.BCnde_und_historische_Einordnung

In diesem Zusammenhang ist das Zitat von Heinrich Mann: „Ärzte wurden zu Henkern“ zu verstehen.

Was waren die Folgen für die Überlebenden? Gerade weil die Täter Teil des Gesundheitssystems waren, also die, die eigentlich helfen sollten (Ärzte, Pfleger), wurden Kinder und Familienmitglieder mit Behinderungen zu deren Schutz lange vor der Öffentlichkeit versteckt.

Noch in den 80ern des zwanzigsten Jahrhundert waren Menschen mit einer Behinderung nicht selbstverständlich in der Öffentlichkeit. Meine Ehefrau erzählte mir, dass bei einem Wohnungsbrand in der Nachbarschaft zu Beginn der 80er bei der betroffenen Familie plötzlich ein weiteres Kind auftauchte, das vorher niemand der Nachbarn gesehen hatte. Es hatte das Down-Syndrome (Trisomie21) und es war die Angst um das Kind und die Angst vor dem „Gerede“, die dazu führte, das Kind zu verstecken.

Für Menschen mit einer Behinderung war es nie leicht mit dem „Anderssein“ an die Öffentlichkeit zu gehen, erst recht nach der kollektiven Erfahrung der Verbrechen in den Jahren zwischen 1933 bis 1945.

Aus dem Spiegel 52/1977:

… zum Fernsehprogramm am ersten Weihnachtsabend am 25.12.1977: „der „Krüppel“ Kurt, diese „halbe Portion“, der „Rennfahrer“, „Spastiker“, „Lahmarsch“.
Kurt ist gehbehindert, in den Rollstuhl gezwungen, Außenseiter natürlich, Gespött aller Gleichaltrigen“ – eine Ankündigung der „Vorstadtkrokodile“ – ein Kinderkrimi als Zeitzeuge und Aufklärer? Hier wurde das Kind mit Behinderung thematisiert und zum Helden gemacht.

Aus der Geschichte der Behinderung:

„… seit Anfang der 1970er Jahre begann eine Entwicklung, die etwas qualitativ anderes, neues war: die „Krüppelbewegung“ (Eigenbezeichnung) entstand und formierte sich. … … Menschen mit einer körperlichen Behinderung forderten für sich selbst die gleichen Rechte und Möglichkeiten, wie nichtbehinderte Menschen sie als selbstverständlich erachten.“

http://sonderpaedagoge.de/geschichte/wiki/index.php?title=Kr%C3%BCppelbewegung

„Du bist ja behindert“, ein gängiges Schimpfwort auf dem Schulhof für alles „Schlechte, Fremde und Alles das, was man nicht sein will“. Aufklärung, Teilhabe und Konfrontation tut hier not. Vergleiche auch:
http://www.rollialltag.de/perspektivwechsel/

Mit Rollstuhl zur „normalen“ Schule, studieren, arbeiten, ein eigenständiges Leben führen – Themen die uns noch heute beschäftigen. Die Inklusion ist seit der Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention, die am 13. Dezember 2006 beschlossen wurde und in Deutschland im März 2009 in Kraft trat ein immer noch sehr kontrovers diskutiertes Thema.

Warum noch kontrovers diskutiert? Die Grundrechte in unserer Verfassung sind vor dem Hintergrund der schrecklichen Erfahrungen zur Zeit des Nationalismus von den „Vätern“ und „Müttern“ des Grundgesetztes eindeutig und klar definiert. Hier zum nachlesen:

https://www.bundestag.de/parlament/aufgaben/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_01/245122

Ich konnte bei der Eröffnungsfeier zur Ausstellung „Erfasst, verfolgt, vernichtet – Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“ im Centre Charlemagne in Aachen teilnehmen. Dabei wurde doch noch tatsächlich vom Oberbürgermeister die Frage gestellt, was man noch mehr tun könne, um die Situation von Menschen mit Behinderung zu verbessern. Hier meine Antwort: Nicht mehr aussperren, selbstverständlich am Leben teilnehmen lassen und das zur jeder Zeit und bei jeder Gelegenheit.

(Januar 2017|ml)

Rollstuhlfahren in Afrika

Rollstuhlfahrer stoßen oft auf Hindernisse und Hürden, die die Bewegungsmöglichkeiten stark einschränken. Jeder Rollstuhlfahrer kennt diese kleinen Barrieren im Alltag, die das Leben unnötig schwer machen.

… das Rollstuhlfahren in Afrika birgt ganz besondere Hindernisse.

Ein kurzer Filmbericht über ein Projekt vom Londoner Designer Janna Deeble und sein Team Uji, die einen „low cost, all terrain wheelchair“ entwickelt haben.


Ein tolles Projekt um auch Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern die Chance auf dringend benötigte Hilfsmittel zu geben und so einen Beitrag zu einem selbstbestimmten Leben zu leisten. Rollstuhlfahren in Afrika weiterlesen

Euroschlüssel

Eine kurze Geschichte aus dem letzten Sommer:

Bei einem Ausflug zu einem beliebten Freizeitgelände ist mir folgendes passiert:
Im Bereich der großzügigen WC-Anlagen gab es viele Toiletten und wie üblich nach Geschlechtern getrennt. Aber es gab nur eine behindertengerechte Toilette und diese war sehr lange besetzt! Als sich nun nach langer Wartezeit, mir schien diese unendlich, die Tür wieder öffnete, kam eine junge und sportliche Frau in einem Werbekostüm mit Gepäck aus der Toilette, die diesen etwas größeren Raum wohl offensichtlich für das Umkleiden und Schminken nutzte und ganz erstaunt tat, dass dieses einzige behindergerechte WC eben keine Umkleidekabine für die Mitarbeiter ihrer Promotion-Gruppe ist, sondern für mich als Rollstuhlfahrer, der die ganzen anderen Toiletten eben leider nicht nutzen kann.

Auf die Idee eines einheitlichen Schließsystems für alle öffentlichen Toiletten für Menschen mit einer Behinderung ist Hannelore Hofmann vom CBF Darmstadt (Club Behinderter und Ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung e.V.) in den 1980er Jahren gekommen. Euroschlüssel weiterlesen

Theater Aachen

Ein Besuch im Theater kann eine schöne Sache sein, erheitern und belustigen, ernst stimmen und zum Nachdenken anregen, hoffentlich mehr als nur ein kurzes Vergnügen sein und im besten Fall lange positiv nachwirken. Wer erinnert sich nicht noch an den ein oder anderen Besuch im Theater.

Gerne nimmt man ein solches Ereignis in Begleitung lieber Menschen war, mit denen man gemeinsam es erlebt, darüber spricht, lacht oder auch die negativen Erlebnis aushält. Nun als Rollstuhlfahrer ist dies etwas komplizierter.
Im großen Haus können Stühle für die Begleitung auf der extra Fläche für Menschen mit einer Schwerbehinderung  neben einem Rollstuhl aufgestellt werden, dies aber nur dann, wenn ansonsten für die anderen Rollstuhlfahrer genügend Platz bleibt. Ehefrau oder Freunde, Kinder und andere Begleitung werden sonst irgendwo auf den Rängen verteilt. Ein gemeinsames Erlebnis ist so nur schwer möglich. Theater Aachen weiterlesen

… behindert wird man!

ZEIT Online (www.zeit.de) hat dieses Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen gefeiert. In diesem Zusammenhang sollte der Generation der Zwanzigjährigen ein Forum (Z2X) geboten werden mit fünfminütigen Vorträgen zu einen selbst gewählten Thema, mit Visionen, geistreichen Ideen und freien Gedanken zur Verbesserung der Welt beizutragen.

Einen dieser kurzen, aber sehr interessanten Vorträge hat die Journalistin Christiane Link gehalten. Ihr Thema war die Situation von Menschen mit einer Behinderung, die mit den Problemen des Alltags und immer noch mit weit verbreiteten Vorurteilen konfrontiert werden.

Ihre Botschaft: Behinderung als gesellschaftliche Aufgabe verstehen, nicht als individuelles Defizit. „Behindert ist man nicht, behindert wird man!“

Link zum Vortrag:

(September 2016|ml)

Domschatzkammer *

Es ist lange her, dass ich zuletzt in der Domschatzkammer in Aachen war. Im Rahmen von Reisen waren es immer die fremden Kirchen, Klöster und Museen, die wir besucht hatten. Also hatten wir kurzfristig beschlossen eine sonntägliche Fahrt in die Aachener Innenstadt zu machen und diesmal nicht nur in den Dom reinzuschauen, sondern auch die Domschatzkammer zu besuchen.

Zuvor hatten wir uns wohlweislich im Internet nach den Öffnungszeiten und der Barrierefreiheit erkundigt. Denn es gibt seit dem letzten Besuch ein Handikap – ich bin in der Zwischenzeit auf die Nutzung eines Rollstuhls angewiesen.

Auf der Internetseite fanden wir die erhoffte Information: „Die neue Domschatzkammer ist behindertengerecht. Der Aufzug für Rollstuhlfahrer am Ende des Eingangsbereichs links. Ein Behinderten-WC ist vorhanden.“

Also los, das Wetter war schön und es stand dem kleinen Ausflug nichts mehr entgegen.

Schon nach dem Parken hatten wir ein großes Plakat zur zukünftigen Barrierefreiheit der Domschatzkammer nach Abschluss der Bauarbeiten gesehen – und die Zweifel waren wieder da. Wieso zukünftig? Stimmt die Angabe auf der Internetseite etwa nicht? An der Kasse hatten wir uns nochmals nach der Barrierefreiheit erkundigt und die wurde bestätigt. Ein Plattformlift im Eingangsbereich und ein Treppenlift als Plattformlift für Rollstuhlfahrer um das Untergeschoss bzw. das Obergeschoss zu erreichen. Jedoch gibt es eine Einschränkung: von alleine, selbstständig und ohne fremde Hilfe, das Kernmotiv der Barrierefreiheit, kann keine Rede sein.

Domschatzkammer * weiterlesen

Neue Fahrgastunterstände in Aachen

Im Aachener Stadtgebiet wurden die gesamten Fahrgastunterstände in der letzten Zeit ausgetauscht und bis auf wenige Restarbeiten sind die Arbeiten abgeschlossen.

Es handelt sich um ca. 430 Fahrgastunterstände und ich habe mit Bezug auf den Artikel zum Thema ÖPNV und VEP vom Juni 2015 erlaubt, beim Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen nachzufragen. Link zum Beitrag vom Juni 2015

Meine Anfrage:

Sie hatten im letzten Jahr freundlicherweise für den Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen der Stadt Aachen auf mein Schreiben zum ÖPNV und VEP geantwortet und sind insbesondere auf den Punkt der Barrierefreiheit des ÖPNV eingegangen. Dabei wurden von Ihnen angekündigt, dass doch mehr als 10% der Haltestellen umgebaut werden. Die Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) von 2013, in der bis 2022 eine „vollständige Barrierefreiheit“ als politische Zielsetzung durch den  Bund als Gesetzgeber gefordert wird, steht und ist für die Kommunen als Träger bindend. Neue Fahrgastunterstände in Aachen weiterlesen

Von der Krankheitslehre zur Politik

Gleichstellung und Menschenrechte

Von der Krankheitslehre zur Politik – so nannte Lars Ødegård (1) seine Rede beim Weltkongress Rethinking Rehabilitation 2004 in Oslo. Auf diesem Kongress rief er zum gesellschaftlichen Umdenken und zum Kampf gegen die alltägliche Diskriminierung behinderter Menschen auf. Ich halte das Thema nach wie vor für aktuell und habe die Freude und das Glück diese Rede hier in der Übersetzung von Christiane Link (2) erneut veröffentlichen zu dürfen.

Die Rede

Das Thema der heutigen Veranstaltung ist „Ideale und Verständnis“. Lassen Sie uns anfangen, indem wir über die UN-Erklärung „Gleiche und volle Teilhabe“ nachdenken. Wie verstehen wir wirklich das Ziel dieses Ideals? Was bedeutet es, und beeinflusst es den Bereich der Rehabilitation? Wir sind aufgerufen, umzudenken. Um das zu tun, müssen wir die so genannten allgemein anerkannten Fakten auf den Kopf stellen und uns selbst öffnen für neue und vielleicht anspruchsvolle Perspektiven. Meine Erfahrungen sind natürlich geprägt durch die Tatsache, dass ich Rollstuhlfahrer bin und in Norwegen lebe. Zweifellos unterscheiden sich die Beispiele, die ich vortragen werde, von Beispielen aus anderen Teilen der Welt, aber durch meine 20-jährige Reiseerfahrung auf allen Kontinenten, weiß ich, dass die Einstellungen und Mechanismen, die zur einer behindernden Gesellschaft führen, immer die gleichen sind. Behinderte Menschen auf der ganzen Welt begegnen den gleichen Mythen und Aberglauben. Mythen basieren auf der Annahme, dass unser Leben ein ärmeres ist und dass der Grund dafür in unserer Biologie liegt. Diese Mythen sind vielleicht auch der Grund, warum Behinderung primär eine Angelegenheit des Gesundheitswesens und der öffentlichen Wohlfahrt ist. Es ist an der Zeit, uns klar zu machen, dass Behinderung eine Angelegenheit der Menschenrechte ist. Wenn wir das nicht begreifen, bleibt die Chance, Gleichberechtigung und volle Teilhabe zu erreichen, nur ein Traum. Wir müssen die traditionelle Art, wie wir Behinderung und dadurch auch behinderte Menschen sehen, überdenken. Um umdenken zu können, müssen Sie sich Ihrer eigenen Vorstellungskraft bedienen. Hierfür werde ich vier Bilder aufzeigen, die Sie hoffentlich zu neuer Reflexion und neuem Verständnis ermuntern. Von der Krankheitslehre zur Politik weiterlesen

Barrierefreiheit auf dem Prüfstand

Die Jusos Aachen-Stadt testen die Barrierefreiheit der Aachener Innenstadt
Gastbeitrag der Jusos Aachen-Stadt

Im Rahmen des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung haben wir am 5. Mai bei einem Spaziergang die Barrierefreiheit der Aachener Innenstadt getestet. Dazu begleiteten uns Menschen mit verschiedenen Behinderungen. Zum Einsatz kam neben einem Rolli und einem Rollator auch ein alterssimulierender Anzug. Außerdem trugen viele von uns Brillen, die verschiedene Seh- und Wahrnehmungsschwächen simulierten. Damit erfuhren wir am eigenen Leib, wie schwer die Bewältigung des Alltags mit Hör- und Sehschwäche sowie Beweglichkeitseinschränkungen sein kann, wenn öffentliche Orte nicht für alle Menschen baulich geeignet ausgelegt sind.

Kaum hatten wir unseren Rundgang begonnen, erzählte uns ein Teilnehmer, dass er die für seine Hochzeit notwendigen Termine beim Standesamt nicht selbst wahrnehmen konnte, da dort kein barrierefreier Zugang besteht. Als wir unseren Weg fortsetzten, begegneten wir direkt unserem ersten Hindernis: Die lückenhafte Verfugung des sowieso schon unwegsamen Kopfsteinpflasters im Bereich der Altstadt. Ein solcher Untergrund kann für einen Rollstuhl oder einen Blindenstock zu erheblichen Komplikationen führen. Barrierefreiheit auf dem Prüfstand weiterlesen