Änderung der Sondernutzungssatzung*

Es wird sehr begrüßt, dass bei der geplanten Änderung der Sondernutzungssatzung der Stadt Aachen die Barrierefreiheit als Richtschnur eingeführt wird. So soll die verbleibende Wegbreite noch 1,80 m und an Engstellen noch 1,50 m bis zu den vielen blühenden Pflanzen am Wegrand betragen. Gerade Nutzer von Rollstühlen oder Rollatoren und Eltern mit Kinderwagen freuen sich sicher darüber, dass sie die innerstädtischen Gehwege wieder ohne Hindernisse nutzen können und vielleicht dies auch noch bei entgegenkommenden Passanten. Statistisch** gesehen leben ca. 4.800 Nutzer eines Rollstuhls, ca. 5.500 Nutzer eines Rollators und ca. 4.000 Nutzer eines Kinderwagens (Kinder im Alter von 0 bis 2 Jahren) in Aachen; die vielen Touristen und Besucher sind hierbei noch nicht mitgezählt.

Ich würde es aber noch mehr begrüßen, wenn auch abgestellte KFZ, Motor- und Fahrräder diese Abstände einhalten müssten. Zum Beispiel auf der Theaterstraße stehen häufig größere PKW oder Kleintransporter mit der Stoßstange so nah an den Gebäuden, dass der verbleibende Durchgang für die Nutzer der Gehwege nicht ausreicht. Hier kommt es öfters vor, dass als Durchgang nur noch 80 cm bleiben und da wird es für Kinderwagen oder Rollstühle schon sehr eng.

Gerade mit den steigenden Temperaturen wird die Zahl der auf den Gehwegen abgestellten Fahrräder spürbar größer. Hier wird jeder Pfahl von Laternen oder Straßenschildern zum Anketten von Fahrrädern genutzt.
Ich habe großes Verständnis für das Sicherheitsbedürfnis der Radfahrer, aber auch hier sollte eine Mindestbreite des verbleibenden Weges für Fußgänger, Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und Menschen mit einer Sehbehinderung bleiben. Das Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW empfiehlt für Baustellen eine Mindestbreite von Ersatzwegen von 1,30 m. Warum denn nicht auch ohne Baustelle?

Es werden sich alle Passanten im Allgemeinen darüber freuen. Denn die Barrierefreiheit ist zwar für ca. 10%*** der Bevölkerung ein muss, für weitere ca. 40%**** ist diese wünschenswert und für den Rest der Bevölkerung bedeutet es einfach mehr Komfort und Lebensqualität.

(Mai 2017|ml)

 

*   Grundlage des Beitrages ist ein am 12.05.2017 in den „Aachener Nachrichten“ erschienener Leserbrief.
**   Errechnet aus den Angaben des Berichts der Beauftragten der Landesregierung für Belange der Menschen mit Behinderung in Nordrhein-Westfalen, 16. Legislaturperiode, Tabelle 4-3, Seite 104
***  Menschen mit einer Schwerbehinderung, dies sind laut Pressemitteilung Nr. 381 vom 24.10.2016 des Statistische Bundesamtes 9,3% der Bevölkerung in Deutschland (https://www.destatis.de/DE/Startseite.html).
**** Menschen mit einer vorübergehenden Einschränkung der Mobilität durch Verletzung / Unfall, altersbedingte Einschränkungen, Nutzer von Kinderwagen, Menschen mit Gepäck oder Lasten, etc.

Wer, Was, Wo, Wie?

Der erste Rollstuhl, was mache ich nun? Eine Frage, die sich sicher alle Menschen stellen, die wegen eines Unfalls, Krankheit oder Alter eine starke Einschränkung Ihrer Mobilität erfahren.

Zur ersten Orientierung möchten wir an dieser Stelle einen Überblick zu wichtigen Anlaufstellen für Rollstuhlfahrer / Rollstuhlfahrerinnen geben und damit ein bisschen dazu  beitragen, die Hürden und Barrieren zu überwinden. Wir bitten jedoch auch gleich an dieser Stelle für Verständnis, dass wir für die hier gemachten Angaben keine Haftung übernehmen können. Bitte klären sie im jeweiligen Fall ab, ob die Regelung Anwendung findet.

Dieser Überblick soll fortgeschrieben werden und wird  bei einer Aktualisierung wieder neu veröffentlicht. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben wir nicht, bei Fehlern oder Ergänzungen bitten wir um eine kurze Mitteilung an info@rollialltag.de.

Wir bedanken uns im Voraus.

Zur Tabelle: Wer, Was, Wo, Wie? weiterlesen

Veranstaltungen

Jeder, der eine Veranstaltung, wie zum Beispiel ein Konzert, ein Theaterstück, eine Informations- oder Sportveranstaltung, plant, sollte sich unbedingt im Vorfeld klar darüber sein, welches Publikum angesprochen werden soll. Ist diese Veranstaltung frei zugänglich und möchte der Veranstalter auch möglichst viele Besucher ansprechen, die Öffentlichkeit, oder bleibt es im kleinen Rahmen, bei dem ich alle Besucher auch schon persönlich kenne?

Bei Veranstaltungen, bei denen eine breite Öffentlichkeit angesprochen werden soll, muss der Veranstalter damit rechnen, dass unterschiedliche Menschen kommen und sich bei der Planung darauf einstellen. Das Alter, das Geschlecht, oder die Nationalität, Menschen mit einer bestimmten Interessenslage oder auch Menschen mit einer Behinderung. Dies ist bei der Planung und Vorbereitung einer Veranstaltung schon rechzeitig zu bedenken. Soll die Veranstaltung nicht für eine breite Öffentlichkeit durchgeführt werden, ist auch schon bei der Ankündigung der Veranstaltung auf die eingeschränkte Zielgruppe hinzuweisen. Veranstaltungen weiterlesen

Rangliste Rollstuhleignung

Die hier aufgeführte Rangliste zur Rollstuhleignung greift Einrichtungen / Orte von Bedeutung für das Leben in der Stadt auf. Von Relevanz ist z.B. ein Museum oder ein Kino und nicht der Kiosk um die Ecke.

Die Rangliste orientiert sich an den auf dieser Seite schon eingeführten Kriterienkatalog (Hinweise). In der Positivliste können danach nur Einrichtungen / Orte aufgeführt werden, die den Kriterien zu „rollstuhlgerecht“ entsprechen. Einrichtungen / Orte auf der Negativliste sind entsprechend in der Kategorie „nicht rollstuhlgerecht“ einzuordnen.

Die hier aufgeführten Kriterien beziehen sich nur auf die rollstuhlgerechte Nutzung; dadurch wird keine Aussage zur Qualität / zum Angebot / zur Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter etc. gemacht.

Kriterien

R         Rollstuhlgerecht – Eingang stufenlos erreichbar, Besucherräume alle stufenlos erreichbar, falls Toiletten vorhanden sind, dann auch rollstuhlgerechte Toiletten.

R         Bedingt rollstuhlgerecht – Eingang maximal 1 Stufe, Eingangstufe nicht höher als 7cm, die wichtigsten Besucherräume sind stufenlos erreichbar, Toiletten ohne Bewertung.

R         Nicht rollstuhlgerecht – Stufe am Eingang höher als 7cm, die wichtigsten Besucherräume sind nicht stufenlos erreichbar.

Die eigentlich zur Beurteilung von Barrierefreiheit heranzuziehende DIN 18040 bzw. früher 18024 / 18025 und das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGG) gehen in den Anforderung viel weiter und betreffen eben nicht nur die Nutzung mit einem Rollstuhl; hier werden alle Behinderungen berücksichtigt. Rangliste Rollstuhleignung weiterlesen

Gedenktag

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. Dieses Lager ist zum Symbol der Verbrechen in Deutschland in der Zeit von 1933 bis 1945 und damit zum Sinnbild des Holocaust geworden. Seit 1996 ist der 27. Januar bundesweit Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

In diesem Jahr wurde bei der offizieller Gedenkfeier im Bundestag erstmals der Verfolgung, Zwangssterilisation und Tötung von Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung im Rahmen des Euthanasie-Programms gedacht.

http://www.tagesschau.de/inland/bundestag-gedenken-105.html

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Rollstuhlfahren in Afrika

Rollstuhlfahrer stoßen oft auf Hindernisse und Hürden, die die Bewegungsmöglichkeiten stark einschränken. Jeder Rollstuhlfahrer kennt diese kleinen Barrieren im Alltag, die das Leben unnötig schwer machen.

… das Rollstuhlfahren in Afrika birgt ganz besondere Hindernisse.

Ein kurzer Filmbericht über ein Projekt vom Londoner Designer Janna Deeble und sein Team Uji, die einen „low cost, all terrain wheelchair“ entwickelt haben.


Ein tolles Projekt um auch Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern die Chance auf dringend benötigte Hilfsmittel zu geben und so einen Beitrag zu einem selbstbestimmten Leben zu leisten. Rollstuhlfahren in Afrika weiterlesen

Euroschlüssel

Eine kurze Geschichte aus dem letzten Sommer:

Bei einem Ausflug zu einem beliebten Freizeitgelände ist mir folgendes passiert:
Im Bereich der großzügigen WC-Anlagen gab es viele Toiletten und wie üblich nach Geschlechtern getrennt. Aber es gab nur eine behindertengerechte Toilette und diese war sehr lange besetzt! Als sich nun nach langer Wartezeit, mir schien diese unendlich, die Tür wieder öffnete, kam eine junge und sportliche Frau in einem Werbekostüm mit Gepäck aus der Toilette, die diesen etwas größeren Raum wohl offensichtlich für das Umkleiden und Schminken nutzte und ganz erstaunt tat, dass dieses einzige behindergerechte WC eben keine Umkleidekabine für die Mitarbeiter ihrer Promotion-Gruppe ist, sondern für mich als Rollstuhlfahrer, der die ganzen anderen Toiletten eben leider nicht nutzen kann.

Auf die Idee eines einheitlichen Schließsystems für alle öffentlichen Toiletten für Menschen mit einer Behinderung ist Hannelore Hofmann vom CBF Darmstadt (Club Behinderter und Ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung e.V.) in den 1980er Jahren gekommen. Euroschlüssel weiterlesen

Theater Aachen

Ein Besuch im Theater kann eine schöne Sache sein, erheitern und belustigen, ernst stimmen und zum Nachdenken anregen, hoffentlich mehr als nur ein kurzes Vergnügen sein und im besten Fall lange positiv nachwirken. Wer erinnert sich nicht noch an den ein oder anderen Besuch im Theater.

Gerne nimmt man ein solches Ereignis in Begleitung lieber Menschen war, mit denen man gemeinsam es erlebt, darüber spricht, lacht oder auch die negativen Erlebnis aushält. Nun als Rollstuhlfahrer ist dies etwas komplizierter.
Im großen Haus können Stühle für die Begleitung auf der extra Fläche für Menschen mit einer Schwerbehinderung  neben einem Rollstuhl aufgestellt werden, dies aber nur dann, wenn ansonsten für die anderen Rollstuhlfahrer genügend Platz bleibt. Ehefrau oder Freunde, Kinder und andere Begleitung werden sonst irgendwo auf den Rängen verteilt. Ein gemeinsames Erlebnis ist so nur schwer möglich. Theater Aachen weiterlesen

… behindert wird man!

ZEIT Online (www.zeit.de) hat dieses Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen gefeiert. In diesem Zusammenhang sollte der Generation der Zwanzigjährigen ein Forum (Z2X) geboten werden mit fünfminütigen Vorträgen zu einen selbst gewählten Thema, mit Visionen, geistreichen Ideen und freien Gedanken zur Verbesserung der Welt beizutragen.

Einen dieser kurzen, aber sehr interessanten Vorträge hat die Journalistin Christiane Link gehalten. Ihr Thema war die Situation von Menschen mit einer Behinderung, die mit den Problemen des Alltags und immer noch mit weit verbreiteten Vorurteilen konfrontiert werden.

Ihre Botschaft: Behinderung als gesellschaftliche Aufgabe verstehen, nicht als individuelles Defizit. „Behindert ist man nicht, behindert wird man!“

Link zum Vortrag:

(September 2016|ml)

Domschatzkammer *

Es ist lange her, dass ich zuletzt in der Domschatzkammer in Aachen war. Im Rahmen von Reisen waren es immer die fremden Kirchen, Klöster und Museen, die wir besucht hatten. Also hatten wir kurzfristig beschlossen eine sonntägliche Fahrt in die Aachener Innenstadt zu machen und diesmal nicht nur in den Dom reinzuschauen, sondern auch die Domschatzkammer zu besuchen.

Zuvor hatten wir uns wohlweislich im Internet nach den Öffnungszeiten und der Barrierefreiheit erkundigt. Denn es gibt seit dem letzten Besuch ein Handikap – ich bin in der Zwischenzeit auf die Nutzung eines Rollstuhls angewiesen.

Auf der Internetseite fanden wir die erhoffte Information: „Die neue Domschatzkammer ist behindertengerecht. Der Aufzug für Rollstuhlfahrer am Ende des Eingangsbereichs links. Ein Behinderten-WC ist vorhanden.“

Also los, das Wetter war schön und es stand dem kleinen Ausflug nichts mehr entgegen.

Schon nach dem Parken hatten wir ein großes Plakat zur zukünftigen Barrierefreiheit der Domschatzkammer nach Abschluss der Bauarbeiten gesehen – und die Zweifel waren wieder da. Wieso zukünftig? Stimmt die Angabe auf der Internetseite etwa nicht? An der Kasse hatten wir uns nochmals nach der Barrierefreiheit erkundigt und die wurde bestätigt. Ein Plattformlift im Eingangsbereich und ein Treppenlift als Plattformlift für Rollstuhlfahrer um das Untergeschoss bzw. das Obergeschoss zu erreichen. Jedoch gibt es eine Einschränkung: von alleine, selbstständig und ohne fremde Hilfe, das Kernmotiv der Barrierefreiheit, kann keine Rede sein.

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