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Schild weißt auf den rollstuhlgerechter Zugang in Domburg hin
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… zwischen den Jahren

Die Weihnachtsferien nutzen und ein paar Tage an der Nordsee verbringen. Ein schöner Plan und kurz entschlossen Bücher, Zeitung und Reisetasche gepackt, den Rollstuhl verladen und schon ging es los.

In 2½ Stunden ist man am Ziel, die niederländische Nordseeküste. Die Orte, die man aus vielen Reisen kennt, die man mit dem Fahrrad erkundet hat, wo man viele Strandspaziergänge gemacht hat, bei Regen, Wind und Sonne. Jetzt also mit Rollstuhl, nicht das erste mal und deshalb sind die Erwartungen auch schon andere.

Beim letzten mal hatten wir in „Egmond aan Zee“ ein neues Strandcafé entdeckt. Mit dem Rollstuhl direkt vom Deich gut erreichbar und man hatte einen tollen Blick auf den Strand, den Küstenstreifen und das Meer / den Himmel, die ja manchmal in weiter Ferne verschmelzen. Man konnte in Ruhe lesen, Apfelkuchen und Kaffee genießen und den Blick einfach wandern lassen. Meine Frau war nicht müde geworden Kilometer um Kilometer am Strand zu laufen und sich den Wind um die Nase blasen zu lassen.

Diesmal waren wir in Domburg. Es gibt nun einen angeblich rollstuhlgerechten Zugang aus dem Ort auf den höher gelegenen Deichweg „Boulevard van Schagen“ und am Beginn des Aufstiegs sind zwei behindertengerechte Sonderparkplätze angelegt worden, die immer besetzt waren.  Nun, wenn man bedenkt, dass etwa 10% der Menschen eine Schwerbehinderung haben, sind vielleicht 2 Parkplätze etwas knapp bemessen.

Der Aufstieg hat es in sich. Trotzdem ich mich am flacheren Rand versuchte, einen Restkraftverstärker nutze und eigentlich mit meinem Rolli recht mobil bin, hat mich jeder gefragt, ob er mir helfen könnte. Aber OK, man kann mit einiger Anstrengung hoch auf den Dünenweg kommen; man muss sich den Kaffee und den Kuchen halt erst einmal verdienen.

Direkt gegenüber liegt der Strandpavillon „De Stenen Toko“ und hier gibt es nun einen rollstuhlgerechten Strandzugang. Man hat hier zwischen Strandpavillon und Dünenweg eine Holzrampe gebaut, die mit angenehmen Gefälle auf eine Zwischenebene führt, auf der Bänke, der Zugang zum Strandpavillon und öffentliche Toiletten sind. Eine dieser Toiletten ist auch als barrierefrei ausgeschildert. Ausprobieren konnte ich diese nicht, denn diese ist nur in der Zeit vom 1. April bis zum 30. September geöffnet.

Von dieser Zwischenebene führt dann die Rampe weiter runter auf die Strandebene und endet auf einer gepflasterten Fläche mit Bänken und Tischen. Eine sehr gelungene Einrichtung, was man besonders daran erkannte, dass nun alle Eltern mit einem Kinderwagen diese Rampe nutzten. Diese ist einfach toll für jeden Rollstuhl, Bobbycar, Kinder- und  Bollerwagen zu nutzen. Ein großes Lob und man würde sich wünschen, dass alle Strandzugänge so oder ähnlich ausgebaut würden!

Aber nun zur negativen Erfahrung. Die öffentlichen Toiletten sind außerhalb der Saison geschlossen und im Strandpavillon gibt es keine rollstuhlgerechten Toiletten. Die gleiche Erfahrung haben wir dann beim Tagesausflug nach Veere gemacht. Die behindertengerechten WC-Anlagen öffnen erst am 1. April und die Cafés und Restaurants sind entweder nicht mit einem Rollstuhl erreichbar oder haben halt keine rollstuhlgerechten Toiletten.

Also, das Fazit sieht so aus, dass für Nutzer*inen von Rollstühlen einiges passiert, Rampen gebaut werden, Toiletten vorhanden sind, aber im Winter, außerhalb der Saison sollte man als Rollstuhlfahrer die niederländische Küste noch meiden. Man kommt nicht rein oder steht vor verschlossenen Türen. Schade, dabei ist doch gerade „Appelgebak met schlagroom“ auch für Rollstuhlnutzer*innen im Winter lecker.

(Januar 2019|ml)